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Fragen und Antworten
20 Fragen und Antworten für Patienten zur Organtransplantation
Was versteht man unter einer Organtransplantation ?
Dies ist die Übertragung von Organen von einem Menschen auf einen anderen. Dieser operative Eingriff ist oft die einzige Möglichkeit einem Menschen mit Organversagen das Leben zu retten. In Österreich werden jährlich ca. 700 Organverpflanzungen durchgeführt.
Wie lange muss ich warten , bis mir ein geeignetes Organ verpflanzt werden kann ?
Zahlreiche Faktoren, wie Ihr allgemeiner Gesundheitszustand, Ihre Blutgruppe, der Gewebetyp, Ihre Bereitschaft Therapieanweisungen zu befolgen, etc. sind zu berücksichtigen, ob und wann eine Organtransplantation durchgeführt werden kann.
Ein genauer Zeitpunkt kann Ihnen jedoch im vorhinein, aus den oben genannten Gründen, nicht zugesagt werden.
Zunächst bewahren Sie bitte Ruhe ! Versuchen Sie so rasch wie möglich das ent- sprechende Krankenhaus, wo die Organtransplantation vorgenommen wird, aufzusuchen. Am besten fahren Sie mit einem Taxi oder einer Ihrer Angehörigen kann Sie mit dem PKW zum Krankenhaus bringen.
Sie sollten bereits im vorhinein eine Tasche mit Ihren persönlichen Gegenständen (z.B. Pyjama/ Nachthemd, Unterwäsche, Socken, Trainingsanzug, T-Shirts, Turn- bzw. Hausschuhe, Toiletteartikel wie Seife, Kamm/Bürste, Zahnbürste/Zahnpaste, Rasierzeug, etc. und Bücher) gepackt haben.
Wie lange bleibt ein explantiertes (= entnommenes) Organ transplantierfähig ?
Am häufigsten werden Nierentransplantationen durchgeführt. Die Nieren werden sofort nach der Entnahme mit einer speziellen Nährstofflösung kalt durchgespült. Danach sollten sie innerhalb von ca. 36 Stunden verpflanzt werden. Der Transport erfolgt in entsprechend gekühlten, keimfreien Spezialbehältern. Andere Organe wie Leber, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse können noch nicht so lange konserviert werden und müssen daher innerhalb weniger Stunden verpflanzt werden.
Woher kommt eine Spenderniere ?
Die Niere wird entweder von einem gerade Verstorbenen (Mensch, der einen Hirntod erlitten hat) entnommen oder kann von einer Lebendspende (z.B. von einem Familien-mitglied) stammen. Wichtig ist, dass die Blutgruppe und der Gewebetyp mit dem Transplantat übereinstimmen, um die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Abstoßungsreaktionen gering zu halten.
Was versteht man unter Hirntod ?
Dies ist der Funktionsverlust des gesamten Gehirns bedingt durch anhaltenden Sauerstoff-mangel. Durch einen Unfall (Schädel/Hirn-Trauma) oder eine Gehirnblutung wird das Gehirn so massiv geschädigt, dass es abstirbt. Abgestorbenes Gehirngewebe kann sich jedoch nicht erneuern, sodass wir von einem Hirntod sprechen.
Der Hirntod kann von Fachärzten mittels spezieller Untersuchungsverfahren (Ableitung der Gehirnströme, Kontrastmitteldarstellung der Blutgefäße des Gehirns) mit Sicherheit nachgewiesen werden.
Was ist eine Abstoßungsreaktion ?
Das Abwehrsystem (= Immunsystem) des menschlichen Körpers schützt uns normalerweise vor körperfremden Stoffen (z.B. Viren, Bakterien). Bedauerlicherweise wird auch ein transplantiertes Organ als Fremdkörper von unserem Immunsystem erkannt, sodass das verpflanzte Organ "bekämpft" wird. Diese Reaktion bezeichnen wir als "Abstoßung".
Woran kann ich erkennen, dass eine Abstoßungsreaktion begonnen hat ?
Sollten folgende Beschwerden auftreten, kann es sich um eine Abstoßungsreaktion handeln: Müdigkeit, Fieber (über 38°C), Bauchschmerzen, verminderte Harnproduktion, Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödeme), Atembeschwerden und Blutdruckanstieg. Falls Sie die oben beschriebenen Symptome beobachten sollten, kontaktieren Sie bitte umgehend Ihren behandelnden Arzt ! Dieser wird entsprechende Maßnahmen festlegen.
Kann eine Abstoßungsreaktion behandelt werden ?
Falls eine Abstoßungsreaktion vermutet wird, kann diese mittels Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) nachgewiesen werden. Anhand dieser Gewebeprobe kann auch der Schweregrad der Abstoßungsreaktion beurteilt werden. Danach wird üblicherweise mit hochdosiertem Kortison behandelt.
Sollte diese Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringen, können noch andere hochwirksame immunsuppressive Medikamente (sogenannte Immunglobuline) verabreicht werden. Nur bei wenigen Patienten (unter 5%) sind Abstoßungsreaktionen nicht beherrschbar und führen zum Organverlust.
Was kann ich tun, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern ?
Befolgen Sie bitte stets die Anweisungen Ihres behandelnden Arztes! Dieser wird Ihnen verschiedene Medikamente, die die Abstoßung verhindern sollen, verordnen. Diese Arzneimittel werden auch immunsuppressive Medikamente genannt.
Diese Medikamente müssen regelmäßig (täglich !) oral eingenommen, also geschluckt, werden. Diese Arzneimittel müssen solange eingenommen werden, wie das Spenderorgan im Körper bleibt. Bitte ändern sie die Therapie nicht eigenmächtig, da dies mit großen Gefahren (z.B. Organverlust) verbunden sein kann.
Können immunsuppressive Medikamente Nebenwirkungen verursachen ?
Ja, es können verschiedene unerwünschte Wirkungen auftreten. Abhängig vom verordneten Medikament bzw. von der Medikamentenkombination werden relativ häufig ein Blutdruckanstieg (Hypertonie), Nierenfunktionsstörungen (Anstieg des Kreatininwertes im Blut), Diabetes (Blutzuckeranstieg) und Infektionen (z.B. durch Viren, Bakterien oder Pilze verursacht) beobachtet. Weiters können Händezittern, übermäßiger Haarwuchs, Zahnfleischwucherungen, Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, Gewichtszunahme, schlechte Wundheilung, Hautveränderungen, Blutbildveränderungen, Durchfall und Erbrechen auftreten.
Sämtliche immunsuppressiv wirksame Arzneimittel können das Risiko für Tumoren erhöhen. Vor allem Tumoren der Haut können auftreten. Sie sollten daher intensive "Sonnenbäder" meiden und regelmäßig Ihre Haut auf mögliche Veränderungen untersuchen lassen.
Muss ich zusätzlich zu den immunsuppressiven Medikamenten noch andere Arzneimittel einnehmen ?
Unter Umständen kann dies erforderlich sein. Dies ist davon abhängig, ob Sie Begleiterkrankungen (z.B. Herz - oder Stoffwechselerkrankungen) haben oder auch unerwünschte Wirkungen der Immunsuppressiva (z.B. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte) behandelt werden müssen. Bitte besprechen Sie die zusätzliche Einnahme von Arzneimitteln (auch rezeptfreie Medikamente) mit Ihrem behandelnden Arzt !
Ist es möglich, dass eine transplantierte Niere nicht sofort voll funktionsfähig sein kann ?
Dies ist möglich. Man spricht von einer sogenannten "verzögerten Funktionsaufnahme". Dabei nimmt die transplantierte Niere erst nach ca. 2 - 3 Wochen nach der Verpflanzung die Funktion auf, d.h. Harn wird produziert und das Blut wird entgiftet. Während dieser Zeit wird beim Empfänger die Dialysetherapie weitergeführt.
Muss ich nach einer Organtransplantation besondere Maßnahmen befolgen ?
Sie sollten stets die Empfehlungen und Anweisungen Ihres behandelnden Arztes befolgen ! Weiters müssen Sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen ins Krankenhaus kommen. Bei diesen Visiten wird Ihr Gesundheitszustand und die Funktion des transplantierten Organs untersucht. Ferner wird die Dosis der immunsuppressiven Medikamente angepasst. Dazu wird eine geringe Menge Blut aus einer Armvene abgenommen, um den Wirkspiegel des immunsuppressiven Medikaments im Körper messen zu können. Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen diesbezüglich genaue Anweisungen geben, zu welchem Zeitpunkt Sie die immunsuppressiven Arzneimittel, vor einer geplanten Blutabnahme, einnehmen dürfen.
Die Kontrollvisiten werden in den ersten Wochen nach der Transplantation einmal wöchentlich bzw. alle 14 Tage erforderlich sein. Im weiteren Verlauf (nach 3-6 Monaten) werden die Kontrollvisiten nicht mehr so häufig erfolgen. Ihr Arzt wird Ihnen diesbezüglich genaue Anweisungen geben !
Es wird empfohlen Ihren Blutdruck, Ihren Puls und das Körpergewicht regelmäßig zu messen. Falls Sie Veränderungen bei den gemessenen Werten beobachten sollten (z.B. Blutdruckanstieg - 2. Blutdruckwert / diastolisch über 90 mmHg), kontaktieren Sie bitte Ihren behandelnden Arzt. Weiters messen Sie unbedingt Ihre Körpertemperatur, falls Sie sich unwohl fühlen oder Schmerzen haben. Bei einer gemessenen Körpertemperatur über 38°C sollten Sie ebenfalls Ihren behandelnden Arzt kontaktieren.
Welchen Einfluss hat die Organtransplantation auf mein tägliches Leben ?
Das transplantierte Organ sollte Ihnen ein weitgehend "normales" Leben erlauben. Sie müssen üblicherweise keine spezielle Diät einhalten. Sie sollten sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren (ausreichend Obst, Gemüse essen; Flüssigkeitszufuhr beachten 2l Flüssigkeit (Mineralwasser, Früchtetee) pro Tag ! - alkoholische Getränke meiden; fettreiche (Schweinefleisch, bestimmte Käsesorten) und stark zuckerhältige (Süssigkeiten) Nahrungsmittel und Salzzufuhr einschränken - Salz kann den Blutdruck erhöhen und die Flüssigkeitsansammlung im Gewebe verstärken). Sie dürfen auch sportliche Aktivitäten setzen, um Ihren körperlichen Allgemeinzustand (Fitness) und Ihr Wohlbefinden zu verbessern.
Viele organtransplantierte Patienten sind wieder berufstätig und haben Familie mit Kindern. Nehmen Sie bitte Ihre Medikamente regelmäßig ein und kommen Sie zu den Kontrolluntersuchungen ins Krankenhaus !
Soll ich bestimmte Nahrungsmittel überhaupt nicht essen ?
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion haben häufig erhöhte Kaliumspiegel im Blut. Kalium ist vor allem in Bananen, Fruchtsäften und Spinat enthalten. Falls die Kaliumspiegel zu hoch sind, sollten diese Nahrungsmittel nicht zugeführt werden. Bestimmte immunsuppressive Medikamente dürfen nicht gemeinsam mit Grapefruitsaft eingenommen werden, da dieser die Wirkspiegel des Arzneimittels im Blut beeinflussen kann.
Darf ich nach erfolgter Organtransplantation schwanger werden bzw. darf ich mein Kind stillen ?
Falls ein Kinderwunsch besteht wird empfohlen, zumindest ein Jahr nach erfolgter Transplantation zu warten bis eine Schwangerschaft eintritt. Die Patientin sollte eine zufriedenstellende Transplantatfunktion aufweisen und keine Begleiterkrankungen (z.B. Infektionen, Tumore) haben. Ferner muss die immunsuppressive Therapie mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen und unter Umständen neu festgelegt werden (Auswahl der Arzneimittel, Dosierung, etc.), da manche immunsuppressive Medikamente schädigende Wirkungen auf den Embryo haben können.
Die Wirkstoffe der immunsuppressiven Arzneimittel können in die Muttermilch übertreten, sodass der Säugling nicht gestillt werden darf. Es soll stets abgestillt werden.
Darf ich als organtransplantierter Patient Impfungen erhalten ?
Während der Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten können Impfungen weniger wirksam sein. Die Verabreichung von Lebendimpfstoffen (z.B. Polio oral, Röteln, Varizellen, Typhus oral) sollte unterbleiben. Totimpfstoffe (z.B. Tetanus, FSME, Influenza, Polio parenteral, Typhus parenteral, Hepatitis A und B, Diphterie) sind erlaubt. Bitte besprechen Sie jede geplante Impfung mit Ihrem behandelnden Arzt !
Muss ich damit rechnen, dass das transplantierte Organ seine Funktion einstellt ?
Die Ergebnisse der Organtransplantation haben sich laufend verbessert. Zum Beispiel zeigen Patienten nach Nierentransplantation eine Einjahresüberlebensrate von 95 bis 100%. Nach 10 Jahren sind ca. die Hälfte der transplantierten Nieren noch voll funktionsfähig. Die Einjahresüberlebensraten nach Leber-, Herz- und Lungentransplantation liegen zwischen 70 und 90%. Eine Organtransplantation kann nicht nur das Leben des Patienten retten bzw. verlängern, sondern führt vor allem zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität (z.B. im Vergleich zu einer chronischen Dialyse nach Nierenversagen) des Patienten.
Um ein möglichst langes Transplantatüberleben erreichen zu können sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich und die Behandlungsempfehlungen sind unbedingt zu befolgen.
Kann nach einem Organverlust nochmals eine Transplantation durchgeführt werden ?
Ja, es gibt Patienten, die wiederholte Organverpflanzungen erhalten haben. Es ist keine Seltenheit, dass Patienten mit einem gut funktionierenden 3. oder 4. Transplantat leben. Dr. med. Johannes Ulleram Medical Advisor Transplantation Novartis Pharma Juli/2002
Service-Material
Informationsmaterial und Broschüren für Patienten und Angehörige zum Download oder Bestellen per Post.
Leben nach einer Transplantation

Informieren Sie sich hier, wie Medikamente die Organtransplantation möglich gemacht haben, wieso Medikamente für Organtransplantierte so wichtig sind und welche neuen Entwicklungen es gibt.
Selbsthilfegruppen

In den Selbsthilfegruppen in Östereich tauschen sich Betroffene aus.
